Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, mit anderen zusammen zu sein; das heißt, in Beziehung zu treten. Gruppenerfahrung ist eine der stärksten Erlebnismöglichkeiten des Menschen. In der Gruppe von Mitmenschen erfährt der Mensch sich selbst. Er hat seine Möglichkeiten ebenso wie seine Grenzen. Indem sich die Gruppenmitglieder offen im Gruppengespräch mitteilen, helfen sie sich und anderen Gruppenangehörigen.
Der suchtgefährdete und suchtkranke Mensch - selbstverständlich auch dessen Partner - bedarf der Stütze durch eine Gemeinschaft: Menschen suchen Menschen. Jede mitmenschliche Hilfe braucht nämlich das Ja zum Du und setzt damit die Bereitschaft zum Miteinander und Füreinander voraus, wobei die Sorge und Bereitschaft für den Mitmenschen zugleich ein Stück Sorge um sich selbst enthält.
Persönliche Zuwendung, Kontakte und Beziehungen sind besonders wichtig für den Gesundungs.- und Reifungsprozess. Dabei muss man wissen, dass nur ein vorurteilsfreier und ehrlicher Umgang miteinander hilfreich ist. Die Gruppenarbeit ermöglicht, in und mit der Gruppe Geborgenheit und Vertrauen zu finden, Probleme zu erkennen und zu lernen, diese auszusprechen.
In der Gruppe werden die Mitglieder kritikfähiger und lernen Kritik ertragen. Die eigene Belastbarkeit wird größer. Auf der Grundlage dieser Erkenntnis ist die Arbeit in Gruppen aufgebaut.
Die Gruppenarbeit ist damit die Wichtigste und wertvollste Hilfe für den abhängigen und seinen Partner sowie seine Angehörigen. Es sollte daher auch in erster Linie für jeden selbstverständlich sein, in den Selbsthilfegruppen mitzuarbeiten und nicht einfach nur hinzugehen. Ein Stück Selbstverständlichkeit ist immer auch ein Stück Selbstlosigkeit - und diese Selbstlosigkeit erzeugt in jeder Gruppe eine therapeutische Wirkung.
Ein Merkmal von Ich-Stärke ist: ein stabiles, realistisches Selbstwertgefühl und genügend Mut, das Abenteuer des Lebens zu wagen, ohne die Gefahren zu unterschätzen.
Die Gruppenarbeit ist kein Selbstzweck, sondern Einübungsfeld. Das in ihr Erlernte muss auf andere Lebensbereiche übertragbar sein.
Die Selbsthilfe in Kreuzbundgruppen ist nicht mit Therapie gleichzusetzen. Gruppenarbeit hat helfende und heilende Wirkung. Für diese Gruppenarbeit müssen einige Voraussetzungen erworben werden z. B. Bereitschaft zur Mitarbeit. Die Teilnahme an einem Gruppengespräch und der Gruppenarbeit insgesamt erfordert die Bereitschaft, sich selbst helfen zu lassen und anderen zu helfen.
Sie erfordert zudem Achtung vor der Würde des Menschen, Respekt vor der Meinung und Überzeugung des anderen und ein menschlich anständiges Verhalten, auch über die Dauer des Gruppengespräches hinaus. Hierzu zählt besonders auch die Einhaltung von Verschwiegenheit und Vertraulichkeit über Vorgänge in der Gruppe.
Die Teilnahme an einem Gruppengespräch bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Teilnehmer auch etwas sagt. Es gibt auch andere Formen der aktiven Teilnahme am Gruppengeschehen, so durch Zuhören, vom anderen zu lernen und auf sich selbst anzuwenden.